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Schüleraustausch 2016 - Pt. 2

Austausch Bamberg – Italien 2016 - Teil 2

Paese che vai, gente che trovi (= In welchem Land du bist, nimm die Leute, wie du sie findest ODER Andere Länder, andere Sitten) 
von Anja Förtsch, Klasse 10f


Am ersten Freitag nach den Ferien geht es nach Italien. Nach neun Stunden  kommt endlich San Bonifacio in Sicht. Der erste Eindruck von der Stadt ist bescheiden, ungefähr zwei Stunden vorher hat es angefangen zu regnen und von dem anfänglichen Reisefieber ist auch nicht mehr viel übrig. San Bonifacio hat zwar schon bessere Tage gesehen, hat aber dennoch den typischen italienischen Charme. Der Bus kommt an, ein riesiges Hallo, wir haben unsere Freunde doch in den drei Wochen mehr vermisst, als wir zugeben wollten. Dann geht es nach Hause in die Familien. Es wird nicht mehr viel gemacht, denn wir sind hundemüde und morgen ist Schule. Oh ja, richtig gelesen, die Italiener haben auch am Samstag Unterricht, dafür aber keine Nachmittagsstunden. Auch startet die erste Stunde um 07:45 Uhr, aber sie nehmen das mit den Zeiten nicht so genau.

Unsere Woche ist, mal wieder, stündlich getaktet. Am Samstagvormittag sitzen wir zuerst im Unterricht verschiedener Klassen, wir sind in Kleingruppen aufgeteilt. Besucht werden Englisch- und Deutschunterricht und nach den zwei Stunden gehen wir mit einem erweiterten Wortschatz an italienischen Schimpfwörtern in die Aula. Dort werden verschiedene Projekte vorgestellt und landestypische Gegenstände ausgestellt. Weil danach noch ein bisschen Zeit bleibt, tanzen alle Italiener und viele Deutsche zu Let’s Dance. Am Abend kommt das italienische Gegenstück zu unserer Abschlussparty und selbst die Widerspenstigsten werden auf die Tanzfläche gezerrt.

Am Sonntag sind wir mit den Familien unterwegs und besichtigen die umliegenden Städte, aber erst nach einem ausgiebigen Mittagessen. Die Italiener lieben ihr Essen und jeder, der schon mal in Italien gegessen hat, weiß wieso. Nach dieser Woche werden wir alle bestimmt ein bis zwei Kilogramm zugenommen haben, denn es gibt exzellente Gerichte und davon immer zwei bis drei Gänge.

Am Montag ist, schon wieder, Schule. Kunstgeschichte und Physikexperimente sind angesagt. Am Nachmittag geht es nach Verona, der großen und weltbekannten Nachbarstadt San Bonefacios. Wir besuchen den berühmten Balkon der Julia, wobei die Jungs ein besonderes Interesse an der Julia-Statue zeigen. Wir sehen verschiedene Piazzi und Märkte, auf denen auch lautes Marktgeschrei und Wettfeilschen zu hören ist. Die Sonne strahlt vom Himmel, als wir uns auf zu dem Torre di Lamberti und Castelvecchio (= Turm der Lamberti und die alte Burg) machen. Ein paar von uns steigen auf den Turm hinauf, eine nicht enden wollende Wendeltreppe führt zur großen Aussichtsplattform. Man hat einen wunderbaren Ausblick über die Stadt, allerdings ist es sehr windig und als dann auch noch eine Glocke direkt über uns zu läuten anfängt, machen wir uns doch lieber schnell auf den Abstieg.

Am Dienstag geht es nach Modena, wo wir das Ferrari Museum besichtigen. Sie haben eine gewaltige Autosammlung dort, die ersten Rennmodelle bis hin zu Konzepten für die nächsten Jahre. Der Raum voller Trophäen raubt uns allen den Atem, vom Boden bis zu Decke nur Pokale und Medaillen. Man kann sogar die verschiedenen Motorengeräusche der Motorenmodelle genau unterscheiden, wie wir in einem separaten Hör-Raum entdecken. Und dann besuchen wir die Stadt Modena, in der aber nicht viel los ist. Wir müssen fast eine halbe Stunde durch die Gegend irren, um unsere tägliche Portion Eis zu bekommen.

Am Mittwoch besuchen wir das Museum Nicolis Villafranca, ein Sammlermuseum. Dort gibt es jede Menge Autos, aber auch alte Motorräder, Automaten und Musikmaschinen zu sehen, einen Raum nur mit alten Film- und Fotoapparaten, und das Obergeschoss ist mit jeder erdenklichen Art von Fahrrädern gefüllt. Auch hängt dann mal ein Flugzeugmotor von der Decke und im ersten Stock ist die Geschichte des Automobils mit über 50 echten Modellen erklärt. Am Nachmittag fahren wir weiter zum Gardasee, bei strahlendem Sonnenschein, 25°C und dem hellblauen Wasser kommt Urlaubsstimmung auf. Im Gardasee baden traut sich aber nur einer von uns. Mittlerweile sind wir richtig fertig, uns tun die Füße weh und einige haben schon Sonnenbrand, weshalb aus dem geplanten Spaziergang am See doch nur ein kurzer Abstecher wird.

Aber ein letzter Ausflug steht noch an, Venedig. Am Donnerstag fahren wir mit dem Zug. Im Gegensatz zu Deutschland sind in Italien sind die Verspätungen der Züge schon in den Standardansagen mit eingebaut. Es kommt kein Zug pünktlich und man ist schon froh, wenn er nur zehn Minuten zu spät kommt. Und prompt an diesem Tag fängt es früh an zu regnen. Zum Glück besuchen wir zuerst eine Ausstellung über Leonardo da Vinci. Wir dürfen selbst ein paar nachgebaute Erfindungen ausprobieren und staunen, was er schon vor 500 Jahren erforscht hat. Nun haben sich die Wolken auch wieder verzogen und bei Sonnenschein geht es weiter zum berühmten Markusplatz, wo wieder eine Stadtrally ansteht. Zum Beantworten der Fragen quatscht man auch schon mal das Militär und die Carabinieri an, die nur friedlich eine Zigarette rauchen wollen. Der Platz ist überfüllt mit Touristen und man verliert sich schnell aus den Augen. Die deutschen Touris aber finden sich alle zum vereinbarten Treffpunkt wieder und dann fahren wir nach einem Stadtbummel mit dem Zug zurück, der diesmal „nur“ eine halbe Stunde Verspätung hat.

Und dann ist es wieder vorbei, unsere schöne Urlaubs-, ich meine, Austauschwoche ist zu Ende! Der Abschied fällt allen schwer, der Bus fährt sogar fast ohne ein paar Deutsche los, die von den Italienern in eine Massenumarmung gezogen wurden.

Aber was wir aus dem Austausch mitnehmen:

Eine Woche, bei der das Essen phänomenal und einzigartig war, neue Sitten und Kultur kennengelernt und man trotz aller Bemühungen einen Sonnenbrand hat. Eine Woche, nach der man auch die eigenen Klassenkameraden aus einem neuen Blickwinkel kennengelernt hat, Sprachen verbessert wurden und man sich auch mal selbst nicht so ernst genommen hat. Und natürlich haben wir großartige Freundschaften geschlossen. Deshalb schließe ich mit dem größten Kompliment, das ein Bamberger machen kann: Basst scho!

Anja Förtsch (10f)



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