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Ausstellung in Ansbach

 




 
Einen Monat lang in der Ansbacher Staatsbibliothek zu sehen war die Ausstellung "kain denk mal - böse" des entsprechenden P-Seminars des Dientzenhofer-Gymnasiums. Nachdem die Ausstellungsdauer im Bamberger Stadtarchiv bis zum 13. September verlängert worden war, wurden die Exponate vom 7. Oktober bis 8. November in Ansbach gezeigt.
Am 21. Oktober um 19 Uhr hielt dort Dr. Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung einen Vortrag zur Ausstellung mit dem Titel "Wilfried Böse - der Begründer der terroristischen `Revolutionären Zellen`". Anschließend betand noch Gelegenheit zur Diskussion.
Die Idee zur Ausstellung in Ansbach hatte Dr. Rolf Griebel, Leiter der Bayerischen Hauptstaatsbibliothek in München. Er hat 1966-68 dieselbe Klasse wie Wilfried Böse im Ansbacher Platen-Gymnasium besucht und war auch bei der Einführungsveranstaltung zur Ausstellung in Bamberg einer der Zeitzeugen, die von den P-Seminarschülern befragt worden waren. Herzlichen Dank für seine Initiative, für das große Engagement der Leiterin der Ansbacher Staatsbibliothek, Frau Ute Kissling - und natürlich auch an alle Mitarbeiter des Stadtarchivs Bamberg, die bisher die Ausstellung in Bamberg ermöglicht haben und nun die Weiterleitung nach Ansbach in Arbeit nehmen!

Kain Denk Mal Böse – Worum geht es denn da?

Bei wem von Ihnen klingelt etwas bei dem Wort Entebbe? Und wem sagt vielleicht sogar der Name Wilfried Böse etwas?
Wir befürchten leider: den Wenigsten. Doch auch uns erging es vor circa einem Jahr nicht anders, als die Präsentationen für die zu wählenden P-Seminare am Dientzenhofer Gymnasium hier in Bamberg stattfanden. Allerdings konnten wir uns noch dunkel daran erinnern, dass es mal eine Ausstellung im Mehrzweckraum gegeben hatte , die den Namen "Kain denk mal Böse" trug. Das Seminar dazu leitet unser Lehrer, Herr Rempe, nun schon zum zweiten Mal begeistert und steckte auch uns sofort mit seinem gelebten Enthusiasmus an.
Wir, das sind drei Handvoll Elftklässler am Dientzenhofer Gymansium, haben uns für dieses Seminar entschieden, um vielleicht die eine oder andere ungeklärte Frage noch beantworten zu können.
So haben wir die Arbeit unserer Vorgänger aus den letzten Jahren fortgeführt und uns auf die Spuren des deutschen Linksterrorismus begeben. Doch wer war dieser Wilfried Böse überhaupt? Jedem sind wohl die Namen Baader und Meinhof geläufig, „bekannt“ geworden durch die RAF-Anschläge Anfang der 70er-Jahre. Allerdings scheinen nicht nur diese beiden oder auch andere bekannte RAF-Mitglieder - laut Expertenaussagen – zu den entscheidenden Köpfen der deutschen linksterroristischen Szene gehört zu haben, sondern auch unser Forschungsobjekt Wilfried Böse.
Er besuchte einige Zeit – wie wir - das Dientzenhofer Gymnasium, verließ jedoch im Jahr vor dem Abitur die Schule und legte sein Abitur in Ansbach ab. In seinen ersten Studienjahren in Freiburg und vor allem Frankfurt ist es schon sehr wahrscheinlich, dass Böse in die gewaltbereite linke Szene eintauchte. Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser - zudem vielen Wegbegleitern aus Bamberger und Ansbacher Tagen sympathische – junge Mann sich in unserem idyllischen Bamberg so entwickelt hat. Wie kam es zu dazu? Diese und noch viele weitere Fragen haben wir uns gestellt und versucht, die passenden Anworten zu erarbeiten. Das vollendete Werk der Bemühungen von uns und unserem Lehrer ist ab Freitag, dem 28. Juni im Stadtarchiv Bamberg zu sehen, welches uns in unserer Arbeit ganz maßgeblich unterstützt hat. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos und bis zum 16.August während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs möglich – Ausnahme: Mittwoch, 3. Juli – da ist das Stadtarchiv geschlossen. So können auch Sie sich ein Bild vom vielleicht "bekanntesten unbekannten" Gesicht Bambergs machen. Wir laden Sie herzlich dazu ein, freuen uns auf zahlreiche Besucher und bedanken uns im Voraus für Ihr Interesse!
 
Sophia Fiedler, Ferdinand Eder

 
Die Ausstellung wird am Freitag, 28. Juni um 15 Uhr im Stadtarchiv Bamberg eröffnet. Am Samstagmorgen findet – ebenfalls im Stadtarchiv – ein Zeitzeugengespräch der Schüler mit Wegbegleitern Wilfried Böses aus Bamberger, Ansbacher und Freiburger bzw. Frankfurter Tagen statt. Gast beider Veranstaltungen ist der renommierte Linksterrorismus-Forscher Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung.
 
 
1949 geboren, hatte Wilfried Böse in Bamberg die Kunigundenschule, die Oberrealschule (heute Clavius-Gymnasium) und ab 1965 das Dientzenhofer-Gymnasium besucht. Die letzten anderthalb Jahre vor dem Abitur besuchte er das Ansbacher Platen-Gymnasium, von wo aus er den Schah-Besuch in der Bundsrepublik 1967 beinahe "hautnah" miterlebte.
Nach - wie sich im Rahmen des P-Seminars herausstellte - langer und intensiver terroristischer Laufbahn wurde Böse nur kurz im Licht der Öffentlichkeit registriert, als er mit drei Gesinnungsgenossen 1976 einen Air France-Airbus mit über 200 Passagieren entführte und Zuflucht beim gefürchteten Diktator Idi Amin in Entebbe/Uganda suchte. Eine Selektion der knapp hundert jüdisch-israelischen Geiseln - die anderen Gekidnappten wurden freigelassen - gilt als Spitze der Pervertierung des deutschen Links-Terrorismus.
Eine sehr mutige und überraschend erfolgreiche israelische Militäraktion rettete und befreite fast alle Geiseln; Böse wurde wie alle anderen beteiligten Geiselnehmer von den israelischen Truppen erschossen.
Die Ausstellung möchte Böse kein Denkmal setzen. Sie will an die Opfer der Entführung erinnern und die Zusammenhänge und Folgen erklären. Zudem sucht sie eine Antwort darauf, warum ein junger Bamberger und Schüler unserer Schule Terrorist wurde.
Rafael Rempe


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