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Blind und doch lesen

Klasse 6c lernt lesend „mit Ohren und Händen zu sehen“
Im Oktober und November 2013 beschäftigte sich die Klasse 6c im Rahmen des Deutschunterrichts einige Wochen lang mit dem Thema „Blindheit“.

Ausgehend von der Lektüre des Jugendbuchklassikers „Behalt das Leben lieb“ des Niederländers Jaap ter Haar, der das Schicksal des durch einen Unfall erblindeten dreizehnjährigen Beer zum Gegenstand hat, versuchten sich die Schülerinnen und Schüler der 6c während der Lektüre des Romans auf unterschiedlichste Art und Weise in die Lage des Protagonisten zu versetzen.


Nach anfänglichen Tast- und Hörexperimenten im Unterricht und einer kleinen Einführung in die Blindenschrift anhand der Braillezeile waren die Schülerinnen und Schüler zumindest zeitweise, im Rahmen einer Hausaufgabe, auch zu Hause „blind“ und hatten es sich zum Ziel gesetzt, alltägliche Aufgaben ohne Zuhilfenahme Ihres Augenlichtes auszuführen sowie Episoden aus dem Roman nachzuempfinden. So wurde etwa das in ter Haars Jugendbuch beschriebene, so genannte „menschliche Radarsystem“ auf seine Funktionstauglichkeit hin überprüft und es taten sich einige zum Teil knifflige Fragen zu sonst einfachen alltäglichen Abläufen auf: Wie findet man blind die eigene Zahnbürste aus dem Familienbecher heraus? Mit welchem Trick kann ich mir blind ein Glas Wasser eingießen, ohne dass dieses überläuft? Wie die Telefonnummer einer vertrauten Person blind wählen?



Im Anschluss an die Lektüre des Romans näherten wir uns von einer anderen Seite dem bisher „nachgespürten“ Thema. Nun stand der Sachtext im Mittelpunkt unseres Interesses. Anhand einer im Rahmen der Inklusionsdebatte kürzlich erschienenen Ausgabe der Kinder-ZEIT lernten wir eine der großen Wochenzeitungen kennen, verglichen sie mit der lokalen Tageszeitung und sammelten weitere Informationen zum Thema „Blindheit“, wobei wir uns nun anhand eines dort behandelten Einzelschicksals direkt auf sehbehinderte Jugendlichen an Gymnasien konzentrierten. Im Vergleich von Roman und Sach- bzw. Zeitungstext erschlossen sich den Schülerinnen und Schülern sehr schnell die unterschiedlichen Wirkungsweisen und Zielsetzungen von Textensorten. Während der poetische Text uns mittels Einfühlung in die Charaktere Zugang zu einem Thema verschafft, bildet der Sachtext über seinen Informationsgehalt und klares Faktenwissen.

Spätestens jetzt war es an der Zeit, unsere eigene Schule auf den Prüfstand zu stellen. Wie würde sich ein blinder Mitschüler am DG, das als eines von nur drei bayerischen Gymnasien das „Profil Inklusion“ trägt, zurechtfinden, inwiefern und wo hätte er Probleme? Anhand eines Beobachtungsbogens und ihres bisher erworbenen Hintergrundwissens ananlysierten die Schülerinnen und Schüler die örtlichen Gegebenheiten ihrer Schule, diskutierten diese und suchten engagiert nach Lösungen für Probleme.

Den Abschluss und Höhepunkt unserer Begegnung mit dem Thema „Blindheit“ bildete ein Besuch von Herrn Grünbeck, Mitglied des Bayerischen Blindenbundes und selbst im Erwachsenenalter erblindet, dem die Schülerinnen und Schüler nun all die im Unterricht aufbereiteten Fragen stellen konnten, die sich in den vergangenen Wochen aufgetan hatten. Auch das in unserer Beschäftigung mit Sachtexten erworbene Faktenwissen konnte nun noch einmal im persönlichen Gespräch diskutiert und anhand von individuellen Erfahrungen Herrn Grünbecks illustriert werden.

Das bisher erworbene Wissen zum Thema sowie die vielen großen und kleinen, mündlich sowie schriftlich übermittelten Episoden und Erfahrungen bieteten schließlich reichlich Inspiration für bildliche Darstellungen zur Geschichte des blinden Beer („Beers Weg vom Dunkel ins Licht“) sowie schriftliche Formen der Umsetzung im Rahmen der Erlebniserzählung (u.a.: „Ein aufregender Tag im Leben eines Blindenhundes“), die sich unmittelbar an die Auseinandersetzung mit Lektüre sowie Sach- und Zeitungstexten zum Thema anschloss.

An dieser Stelle sei noch einmal unser herzlicher Dank an unseren Besucher Herrn Grünbeck samt Blindenführhund Sam ausgesprochen, der uns äußerst kurzweilig und interessant einen sehr anschaulichen Eindruck von seinem Leben vermittelte. Herr Grünbeck schloss seinen Besuch mit einem kleinen altersgerecht gestalteten Vortrag aus der Sicht eines Blindenhundes ab, der den Schülerinnen und Schülern noch einmal den von Betroffenen erwünschten Umgang mit sehbehinderten Mitmenschen vor Augen führen sollte. Dabei lobte der Referent jedoch gleich das sehr gute Gespür der Jungen und Mädchen im Umgang mit seiner Person und erklärte, die Schülerinnen und Schüler hätten sich als bereits äußerst sensibilisiert für das Thema „Blindheit“ erwiesen. Als Dank für die engagierte Mitarbeit der Klasse beschenkte Jörg Grünbeck die Mädchen und Jungen der 6c mit einer großen Portion Gummibärchen und erklärte seine Bereitschaft, „jederzeit gerne“ im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit wieder das Dientzenhofer-Gymnasium zu besuchen.
Birgit Kraus



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