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Durch die Brille des Redakteurs

Die Zeitung erhalten viele Familien. Tag für Tag wird beim Frühstück Zeitung gelesen oder über manche Artikel, die Bamberg und das Bamberger Umland betreffen, diskutiert, geschimpft oder gelacht. Aber wer steckt eigentlich hinter diesen Artikeln? Wer schreibt sie und wer gibt vor, was wann in der Zeitung zu lesen ist?

Passend zum Rahmenthema „Die Tageszeitung“ wollte sich deshalb die Klasse 8f des Dientzenhofer-Gymnasiums über den Beruf des Redakteurs informieren und interviewte dazu am 13.12.2013 die Redakteurin des Fränkischen Tags, Brigitte Löffler.



Hallo Frau Löffler, schön, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

Hallo, gerne.
Als Erstes, Frau Löffler, stellt sich für uns die Frage, warum Sie genau diesen Beruf gewählt haben?

Mir hat als Schülerin das Fach Deutsch gut gefallen und meine Noten in diesem Fach waren auch nicht so schlecht. Ab der 8. Klasse habe ich voller Begeisterung angefangen, für meinen Sportverein die Spielberichte zu schreiben und ein Sportredakteur hat mich auf die Idee gebracht, dass der Journalisten-Beruf doch etwas für mich sein könnte. Also habe ich die Laufbahn einer Redakteurin eingeschlagen.
Und wie sah dazu die Ausbildung aus?
Nach dem Abitur habe ich mehrere Praktika und freie Mitarbeit bei Zeitungen gemacht, in Bamberg dann Germanistik mit Schwerpunkt Journalismus studiert und nach Studien-Abschluss mein zweijähriges Volontariat bei einer Tageszeitung begonnen. Während des Volontariats lernt man, wie man Texte schreibt und eine Zeitung am besten gestaltet. Man lernt eigentlich alles, was man für den Beruf braucht. Mit dem Abschluss dieser Ausbildung ist man dann Redakteur. Ein Studium ist zwar grundsätzlich nicht notwendig, heute würde ich aber dazu raten. Die meisten Verlage setzen ein abgeschlossenes Studium inzwischen voraus. Zudem ist man nach einem Studium auch etwas gereifter.
Was macht eigentlich ein Redakteur genau?
Redakteure haben vielfältige Aufgabenbereiche. Und viele haben sich auf einen Bereich spezialisiert. Da gibt es zum einen die, die über aktuelle Ereignisse berichten, Reportagen schreiben etc., ein Thema recherchieren. Diese Redakteure nennt man Reporter. Andere wiederum sind Blattmacher. Das heißt, sie redigieren Fremdtexte, stellen die Artikel der Reporter auf die Seite, gewichten Themen und layouten. Es gibt auch Fotoredakteure, die die Fotos schießen. Und dann gibt es ja auch noch den Onlineredakteur.

Was ist das?
Fast alle Zeitungen haben inzwischen auch einen eigenen Web-Auftritt. Beim Fränkischen Tag heißt der „inFranken.de“. Der Onlineredakteur stellt dort alle wesentlichen Nachrichten des Tages rein, damit man Wichtiges auch zuhause, im Bus oder auf der Arbeit am Computer lesen kann. Online-Redakteure können ganz schnell etwas ins Netz stellen. Und natürlich schreiben sie auch eigene Texte, erstellen Bildergalerien fürs Netz, sie drehen Filme zu Artikeln, oder sie schreiben für ihren eigenen Blog.
War Ihre Entscheidung, Redakteur zu werden, eine gute Entscheidung?
Ja. Allerdings kann der Tagesablauf manchmal auch sehr stressig sein. Und das Aufgabengebiet hat sich doch in all den Jahren sehr geändert. Und die Branche unterliegt inzwischen einem doch sehr starken Sparzwang.
Was genau meinen Sie damit?
Als Redakteur muss man unter Umständen mit dem Zeitdruck gut umgehen können. Wenn zum Beispiel eine wichtige Nachricht kurz vor Drucktermin in die Redaktion eintrifft. Dann kann es passieren, dass unter Umständen die ganze Zeitung umgestellt werden muss. Redakteure arbeiten deshalb auch im Spätdienst, um Meldungen, die noch am Abend eintreffen, ins Blatt heben zu können. Man denke da zum Beispiel an Fußballspiele. Und natürlich gibt es auch für die Reporter oft Stress, wenn ein Termin bis in den späten Abend dauert und er noch aktuell für den nächsten Tag ins Blatt muss. Mit dem Sparzwang meine ich, dass viele Verlage heute ums Überleben kämpfen müssen. Immer weniger Leute lesen die Zeitung, immer weniger Geschäfte schalten Anzeigen. Viele Leute gehen dafür ins Internet. Deshalb hat man ja auch beim Fränkischen Tag für eigen recherchierte Artikel, die online gestellt werden, eine Bezahlschranke eingeführt. Ein Bäcker verschenkt ja seine Brötchen auch nicht.
Also ist Ihr Leben als Journalist ziemlich stressig, gefällt Ihnen denn noch Ihr Beruf?
Natürlich (lacht). Ich mag meinen Beruf immer noch sehr gerne. Obwohl ich vier Kinder habe, bekomme ich es bis jetzt ganz gut auf die Reihe. Leicht ist das aber nicht immer. Ein Vorteil meiner Arbeit als Klartext-Redakteurin ist natürlich auch, dass ich mir selbst die Termine zum Beispiel für Interviews setzen kann und nicht jeden Tag bis 18 Uhr in der Redaktion sein muss. Ich fange einfach mit Euch an, um 8 Uhr.


Das bringt uns zur nächsten Frage: Wie bereiten Sie ein Interview vor?
Zunächst muss man natürlich wissen, wen man interviewt und was man von ihm eigentlich wissen will. Man muss sich genau überlegen, wer der richtige Interviewpartner für das gewählte Thema sein könnte. Einen Künstler zum Thema Straßenbau zu befragen, macht eher keinen großen Sinn. Hat man sich einen Interviewpartner ausgeguckt, muss man ihn kontaktieren, einen Termin festsetzen. Und am besten muss man schon im Vorfeld etwas über den Interviewpartner in Erfahrung bringen. Dann überlegt man sich grob auch schon einen Fragenkatalog vorab. An den sollte man sich aber im Gespräch auf keinen Fall sklavisch klammern. Am Abend vor dem Interview lege ich mir dann auch noch meine ganze Ausrüstung - Block, Stift, Aufnahmegerät, Foto – zurecht. Und nicht vergessen: alles noch mal checken. Am nächsten Tag geht es dann los. Gut ist es, wenn man zu Beginn des Interviews für eine angenehme Atmosphäre sorgt. Allein schon der Ort, wo man sich trifft, spielt da eine Rolle! Und man muss um Erlaubnis fragen, ob man das Aufnahmegerät einschalten darf, um so das Gespräch aufzuzeichnen. Vertrauen schafft auch die versprochene Autorisierung des Interviews, das heißt, dass der Gesprächspartner das fertige Interview noch vor dem Druck einsehen kann, um gegebenenfalls über gewünschte Veränderungen sprechen zu können. Ich achte aber auch darauf, zum Gegenüber Abstand zu behalten. Und ruhig und höflich bleiben.
Welche Probleme können denn bei einem Interview auftreten?
Na, es kann das Aufnahmegerät ausfallen! Nein: Jeder Interviewpartner ist anders. Und manchmal hat man ja auch einen schlechten Tag. Und je nach Interviewtyp kann auch das Gespräch schwierig verlaufen.
Welche Interviewtypen gibt es denn?
Die meisten Interviewpartner sind sehr nett, gesprächsbereit und offen. Wie man in den Wald hineinruft, schallt es ja bekanntlich wieder raus. Aber manchmal muss man auch heikle Fragen stellen. Unangenehme Fragen. Dann gibt es manchmal aggressive Typen. Typen, die sich schnell persönlich angegriffen fühlen. Hier kann es manchmal sinnvoll sein, erst einmal Verständnis entgegenzubringen. Um dem Gegenüber etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dann gibt es natürlich auch den Schweiger, der auf Fragen immer nur eine ganz knappe Antwort gibt. Das kann man aber gut verhindern, wenn man mehr offene Fragen stellt, also Fragen, auf die der Schweiger unmöglich nur mit Ja oder Nein antworten kann. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch die Labertasche. So jemand schweift oft oder ständig vom Thema ab und gibt oftmals längere Antworten als erwartet. In diesem Fall ist es sehr hilfreich, ab und an auch mal eine geschlossene Frage zu stellen. Und – wenn es unbedingt nötig ist – ihn zu unterbrechen. Das macht man zum Beispiel auch dadurch, den Blick von ihm anzuwenden. Oder man nutzt Lufthol-Pausen. Ganz, ganz selten kann es aber auch vorkommen, dass man ein Interview abbrechen muss. Zum Beispiel wenn der aggressive Interviewtyp einen beschimpft oder gar beleidigt. Das ist aber zum Glück bei mir noch nicht vorgekommen. Und kommt überhaupt wohl sehr selten vor.
Und an welchen äußeren Kennzeichen kann man erkennen, um welchen Typ es sich handelt?
Man erkennt es meistens erst im Gespräch. Außer jemand kommt schon außer sich vor Wut auf einen zu. Oder man hatte vorher schon viel mit ihm am Telefon zu tun.
Sie haben vorhin gesagt, dass Ihnen Ihr Beruf immer noch viel Spaß macht. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders?
Ich habe als Redakteurin einen Presseausweis, mit dem ich kostenlos in Konzerte, Fußballspiele etc. gehen kann. Das ist wirklich toll! Nein. Scherz beiseite. Ich muss als Gegenleistung ja dann auch einen Bericht über den Auftritt oder das Spiel schreiben. Am besten gefällt mir, dass ich in meinem Beruf so viele unterschiedliche Leute kennenlerne und so viele neue Dinge erfahre. Ich schreibe auch wahnsinnig gerne. Und in der Schule bin ich auch jetzt richtig gerne.
Jetzt wissen wir schon ganz gut Bescheid, wie Ihr Alltag als Redakteurin aussieht. Wir bedanken uns für dieses informative Gespräch und dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
Immer wieder gerne! Ich danke euch.

Das Interview führte die Klasse 8f des Dientzenhofer-Gymnasiums in Bamberg mit Frau Brigitte Löffler, Klartext-Redakteurin des Fränkischen Tags.



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