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Jan Weiler - der langWeiler?

Lesung am Dientzenhofer-Gymnasium mit Peter-Alexander Ostrowsky
 
„Na toll, wieder nen Euro für so nen Mist zahlen.", „Wird doch eh wieder saulangweilig", „Am Ende läufts drauf raus, dass wir keine Pause mehr kriegen." Von allen Seiten waren diese Parolen vor der angekündigten Lesung am 21.2.14 am Dientzenhofer-Gymnasium in der Klasse 10d seitens der Schüler zu hören. Alle stellten sich auf eine Doppelstunde Tiefschlaf ein. Dass diese Stunde ganz anders verlaufen sollte, zeigte bereits Peter-Alexander Ostrowskys erster Satz „Ich war nicht immer ein Musterschüler und habe trotzdem etwas aus meinem Leben gemacht.“ Dieser Mann weiß, wovon er spricht. Er ist im Besitz einer erfolgreichen Modelagentur, organisiert Ausstellungen der bildenden Kunst, hält Lesungen aus dem Nachlass von Hans Wollschläger ab und steht unter anderem seit letztem Jahr als Wahlkandidat der SPD zur Verfügung. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass, auch wenn es im Leben nicht immer rund läuft, man nicht den Kopf in den Sand stecken soll, sondern immer wieder versuchen muss, aufzustehen und weiterzumachen.


Erfolgsgeheimnis einer Lesung mit dem Pubertier

Doch wie gelingt eine Lesung für Jugendliche in der Pubertät, die häufig im Ruf stehen, nichts lesen zu wollen? Wir machten uns gemeinsam auf eine Reise. Zurück in P.-A. Ostrowskys eigene Kindheit und Jugend. Ehrlich, offen und ohne Beschönigung teilte er uns seine Erfahrungen mit seinem eigenen strengen Elternhaus in der 68er Bewegung mit. Seine Gefühle als pubertierender Jugendlicher verknüpfte er geschickt mit Jan Weilers „Das Pubertier“, der vom Leben mit seiner pubertierenden Tochter Carla so witzig und treffend erzählt, dass wir uns alle in den Fleischberge vertilgenden Jungs oder den türenschlagenden zickigen Mädchen im alltäglichen G8 Wahnsinn wiedererkannten. Das war das Erfolgsrezept: Diese Lesung hatte etwas mit uns allen zu tun, mit unserem aktuellen Leben! Die verschiedenen Perspektiven waren uns allen bekannt, die Argumente und situationsbezogenen Klischees über Eltern und ihre pubertierenden Jugendlichen schienen wie aus unserem Leben gegriffen. Anstatt auf den Tischen zu liegen und die Zeit tot zu schlagen, lauschten 62 Ohren von der ersten Sekunde an interessiert, was Peter-Alexander Ostrowsky aus dem Bestseller „Das Pubertier“ von Jan Weiler vortrug. Mit der angenehmen Stimme, die die Gefühlslage der jeweiligen Personen widerspiegelte und den geschickt gewählten Vergleichen der Textpassagen mit seiner eigenen Lebensgeschichte nahm er uns alle mit auf eine spannende Reise. Zu welchem Ziel und Zweck? Die Sachtextform Feature war uns bekannt, Jan Weiler als Autor ebenso. Was wir begriffen, war etwas Anderes. Trotz gefühlter Zeit-Welten zwischen ihm und uns, durchleb(t)en wir für zwei Stunden eine Zeitspanne –die Pubertät- gemeinsam, denn die Lesung ermöglichte eine Reise in das eigene Innere und das unserer Mitmenschen. Unser entfachtes „Kino im Kopf“ zeigte uns, dass sich trotz der Generationsunterschiede so viele Gemeinsamkeiten in der Gefühlslage der Betroffenen finden lassen, denen sich auch vor uns alle in dieser schwierigen Zeit -mehr oder weniger mit Erfolg gekrönt- stellen mussten. Die Lesung von P.-A. Ostrowsky war somit ein Rückblick in dessen persönliche Vergangenheit, ein Blick auf die aktuelle Gefühlslage von uns Jugendlichen anhand von Jan Weilers „Pubertier“ sowie ein Blick nach innen, zu jedem Einzelnen von uns. Selbst als der Pausengong nach einiger Zeit erklang, dachte niemand daran, jetzt - wie gewohnt - einfach aufzustehen und in das Getümmel der Pause abzutauchen. Wir bedauerten es alle vielmehr, dass Ostrowsky nach rund 60 Minuten Vortrag schon zum Ende kam. Denn jeder Einzelne von uns konnte aus der Lesung etwas mitnehmen und dachte über den einen oder anderen Satz zwei Mal nach. Was als scheinbar teurer Mittagsschlaf begann, führte zum visualisierten „Kino im Kopf“. So ist die Forderung an den Deutschunterricht, dass es Lesungen dieser Art häufiger an Schulen geben sollte, nur eine logische Konsequenz.
Dientzenhofer-Gymnasium, Klasse 10d, Claudia Losgar



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