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Das DG hat gewählt – in der Woche vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen waren die Schülerinnen und Schüler aller 10., 11., und 12. Klassen eingeladen, an der U18-Wahl teilzunehmen Im Vorfeld haben sie sich über ihre grundsätzliche gesellschaftspolitische Haltung sowie ihre parteipolitischen und durchaus auch persönlichen Vorlieben in Bezug auf die Kandidaten Klarheit verschaffen können. Die Wahl liegt – schaut man auf die Zweitstimmen – einerseits im Trend, zeigt aber auch einige Abweichungen von bayernweiten Ergebnissen.

Hier das Gesamtergebnis der DG-Wählerschaft:

Partei Erststimmen % Zweitstimmen %
CSU 78 35,9 84 38,7
Grüne 20 9,2 22 10,1
FW 11 5,0 13 6
AfD 30 13,8 26 12
SPD 16 7,4 13 6
FDP 11 5,0 9 4,1
Die Linke 16 7,4 15 7
Bayernpartei 5 2,3 6 2,8
ÖdP 6 2,8 8 3,7
Basis 4 1,8 6 2,8
VOLT 16 7,4 8 3,7
Enthaltungen 4 1,8 7 3,22

 

Hier das Ergebnis der Zweitstimmen, geordnet nach Wahlerfolgen

Partei Zweitstimmen %
CSU 84 38,7
AfD 26 12
Grüne 22 10,1
Die Linke 15 7
FW 13 6
SPD 13 6
FDP 9 4,1
ÖdP 8 3,7
VOLT 8 3,7
Bayernpartei 6 2,8
Basis 6 2,8
Enthaltungen 7 3,22

 

(Anmerkung zur Berechnung: Es gab 217 abgegebene Stimmen; die Zehntelziffern sind gerundet. Die kleinen Parteien ab einschließlich der FDP wären nach dem DG-Ergebnis nicht im Landtag vertreten.)

 

Die volle Wahlurne vor der Erbrechung des Siegels (mit StRin Evi Obereisenbuchner, StRefin Sarah Holendung und Fachbetreuer StD Rafael Rempe)

 

Zum Landesergebnis von Sonntagabend passt, dass die FDP den Einzug ins Parlament deutlich verfehlt sowie auch der lange Zeit scheinbar recht klare zweite Platz für die AfD und „natürlich“ der eindeutige Sieg der CSU. Mit ihrem Hallstadter Zugpferd Melanie Huml liegt die Regierungspartei hier sogar deutlich über dem Landesergebnis.

Unterschiede zeigen sich bei den Stimmanteilen der Grünen (am DG mit etwa 10% fast ein Drittel schwächer als auf Landesebene), im andererseits starken Abschneiden der Linken mit selbstbewussten 7% sowie einem mit 13% etwa doppelt so hohen Anteil an Stimmen für die „kleinen Parteien“.

 

Das DG und die bayernweite u18-Wahl

Auch im Vergleich mit der bayernweiten Auszählung der u18-Wahlen zeigt sich, dass die CSU (und auch die Linke!) in der Domstadt über dem Durchschnitt liegt. Die Freien Wähler sind etwa gleichauf, während die SPD hier nicht einmal die Hälfte der bayernweiten Zweitstimmen einfahren kann. Immerhin: Die AfD liegt am DG mit 12% der Stimmen deutlich, etwa ein Drittel, unter dem Bayern-Ergebnis, während die Grünen bei uns doppelt so stark abschneiden. Und während die drei anderen kleinen Parteien in etwa gleich schwache Ergebnisse erzielen, hat die eher linksliberale, ökologische und proeuropäische VOLT-Partei an unserer Schule ein nicht ganz doppelt so starkes Ergebnis erzielt (3,7 gegen 2%). Ob hier der EU-Planspiel vom Jahresbeginn nachwirkt?

 

Nach der Wahl heißt es: auszählen, nachzählen, überprüfen …

 

… bis am Ende die Ergebnisse „amtlich“ feststehen … und nach München weitergeleitet werden können

 

Das DG im Vergleich mit dem Ergebnis des Wahlbezirks Bamberg Stadt

Schließlich: Vergleichen wir die Zweitstimmen der Juniorwahl von ganz Bamberg mit dem DG-Ergebnis, zeigt sich „bei uns“ ein eher maßvolles Resultat mit hier deutlich stärkerer CSU (38 gegen 23 %) bei gleichzeitig deutlich schwächerer SPD und Freien Wählern (die in BA sogar knapp unter der 5%-Hürde landen). Dafür ergibt sich im Stadtbezirk eine deutlich stärkere Polarisierung: Mit 18,8% für die AfD sowie über 10% für die Linke erfasst diese ein knappes Drittel aller Wählenden!

Auch VOLT kann in der Schul- und Studentenstadt BA deutlicher punkten (3,6%, am DG 3,7%), während ÖDP und BP weit abgeschlagen hinter den Coronaskeptikern und Verschwörungsschwurblern von der Basis landen.

Fazit – ein Fazit? Nun, die Juniorwahl zeigt, dass viele Jugendliche durchaus eine Haltung haben und sich auch für kleinere Parteien und deren Anliegen zu interessieren scheinen. Zudem wird eine an sich erfreuliche Vielfalt im Meinungsspektrum bei gleichzeitigem Wunsch nach Beharrung oder zumindest einer Ablehnung allzu radikaler Veränderungswünsche deutlich.

Will man nach dem Wahlergebnis thematisch etwas kritisch auf die Medienberichterstattung blicken, muss so manches Vorurteil nochmals zurechtgerückt werden: Weder ist ressentimentgeladene, fremdenfeindliche und menschenverachtende Politik eine Nische frustrierter mittelalter Männer noch der Wunsch, endlich ernst zu machen mit dem Kampf gegen den Klimawandel ein „die“ Jugendlichen einendes Ziel. Aber auch eine gedanklich entkernte „Technologieoffenheit“ à la FDP scheint die Jugendlichen im Jahr 2023 nicht mehr anzusprechen, ganz im Gegensatz zur letzten Juniorwahl.

So bleibt es auch weiterhin spannend, gerade auch mit Blick auf die EU-Wahlen im kommenden Jahr. Dann dürfen auch unsere 16-jährigen Schülerinnen und Schüler „in echt“ mit abstimmen!

Zu den Vergleichsergebnissen der u18-Wahl kommt ihr leicht über https://wahlen.u18.org/wahlergebnisse/landtagswahl-bayern-2023, während die Ergebnisse der Landtagswahlen über alle seriösen Nachrichtenportale (z.B. von ARD, ZDF, Spiegel, Zeit etc.) und natürlich die Seite des Landeswahlleiters (https://landtagswahl2023.bayern.de/) bzw. des Bayerischen Landtags abgerufen werden kann (u.a.:  https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/landtagswahl-bayern-2023/ bzw.  https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/).

 

Rupert Plischke, für die Fachschaft Sozialkunde/Politik und Gesellschaft